Eine Weihnachtsgeschichte

Ich schaute Charlot an, es war noch Winter, die Frühlingssonne reichte gerade so hoch, um die Souterrain Wohnung im Vogelsang 5 in Berlin in warmes Licht zu tauchen. Es wurde still. Charlot saß mir gegenüber am Küchen-Tisch, und legte ihre Hände auf den noch flachen Bauch, so wie sie es später oft machte. Und wir wussten – noch ohne einen Test gemacht zu haben – „wir“ sind schwanger. Es war so friedlich und eine Nähe um uns, zwischen uns und erfüllte den Raum weit umher. Lieblich, jung, groß und zart fühlt ich diese Präsenz ganz nah bei uns, nahend, anwesend.


Wir waren voller Freude und Zuversicht.


Fotos vorm Spiegel erreichten mich hin und wieder, in dem der Bauch im Wachsen zu sehen war.


Oft waren wir noch getrennt Berlin – Dornach.


Immer wieder Phasen des Zusammenseins, Reisen zu besonderen Orten, zu besonderen Menschen oder mit ihnen.


In Bobbio erlebten auch andere diese Präsenz um uns – noch immer kein Test gemacht. Aber zurückkommend aus Bobbio war es uns endgültig klar,: da hat sich eine „Columba“ zu uns nieder gesenkt.


Letzte lange Wochen an zwei Orten.


Wir ließen alles zurück, bzw. lösten uns von vielem, zwei Haushalte verstaut in ein paar Kisten in Kellern irgendwo.


Dann gingen wir auf lange Reise.


Lange waren wir unterwegs,


Trafen viele liebe Menschen,


Und sahen erstaunliche Orte.


Verschiedene Länder. Zwei Familien wurden gegenseitig kennengelernt.


Der Vater, der meint bald zu sterben und uns so nach Rheine lockt und dann quietsch fidel ist und alles dran setzt, dass wir in sein Haus ziehen. Als er merkt, wir machen da nicht mit, enterbt er mich. Wir ziehen weiter.


Schottland. Sommer.



Der erste Entschluss auf die Leob Croft zu ziehen.


Wales, Cornwall. König Artus auf Tintagel. Sturm, Elemente, Segen.


Viele, viele Steinkreise, große und kleine, Menhire, Dolmen, St. Michael Mount.


Avebury und die Einsicht, dass unser Kind Reisen mag. Ist ihm egal wo es geboren wird?


Während all dem, viele Bewerbungsschreiben, zwischendurch immer wieder Absagen, Vorstellungsgespräche, Hoffnung, neue Pläne, Absagen.


Soll ich Klassen-Lehrer werden, im Engadin? Alles fühlte sich richtig an. Zwei mal dort gewesen. Probeunterrichten. Dann nach langem Hin-und-Her, die Absage...


Also doch nach Mull? Zweite Entscheidung.


Schwimmen in der kalten Nordsee kurz vor der Fährfart von Dover nach Dunkirk.


Der Vater, der meint bald zu sterben und mich an der Nase herumführt. Irgendwie verpassen wir ihn und wir fahren weiter.


Familie, Patenkinder.


Nordsee, Ostsee.


Berlin.


Endlich wieder arbeiten, für 4 Wochen einen festen Ort, Bewerbungen schreiben, joggen in Park. Farbiges Herbstlaub im warmen, trockenen Spätsommer. Kraniche in Linum.


Oma besuchen, Iroschottenorte und Schwellenübertritt in der Konfrontation mit Bonifatius (siehe "Celtic Christianity and Boniface"). Kann ich ihm Begegnen, ihm, den „Vater“ Deutschlands, auf den ich so viel projiziere? Alles „böse“, dass ich mit „Rom“ (Staatskirche) verbinde? Fliehe ich nach Schottland auch wegen ihm? - weil ich nicht in „seiner“ Mentalitätsaura sein möchte – gerade mit Kind – sondern im freien Wind des Westens atmen will, in der Milde Iona`s?


Darf man das? Seinen Traum leben, einfach „aussteigen", und das machen was man eigentlich am liebsten machen will?


Entgültige Entscheidung. Wir wollen, müssen, da hin, machen es einfach!


In Dornach belasten mich meine tausend Bücher. Dankenswerterweise gibt es Freunde denen ich diese Last abgeben darf. Letztes Lösen vom Ort an dem ich 11 Jahre gerne, wenn auch oft unzufrieden, lebte.


Plötzlich tun sich Türen auf, andere verschließen sich ganz: wir sind frei zu tun was wir wollen. Wenn man frei ist, nutzt man dann diese Freiheit?


Ohne Arbeitslosigkeit (besser: Einkommenslosigkeit), ohne mich ausgestoßen und ungewollt zu fühlen, wäre ich jetzt niemals hier auf Mull gelandet. Sind negative Zeichen auch Zeichen? Wenn Nichts kommt, was kommt dann?



Wir fanden Ox („The Bullock“) und Esel (Everet).


Jonathan auf der Leob Croft, der gute Wirt, gibt uns eine Bleibe.


Es ist zugig und kalt im „Jam House“, wenn auch wunderschön. Notdürftig und mit etwas Kreativität wird es aber schnell wohnlicher.


Doch mit der Geburt müssen wir nochmals "lösen" lernen. Auf Mull wird es nicht gehen. Widerstände, neues Suchen...


Wir fanden einen Stall. Eine winzige Hütte inmittn von Wiesen und Wäldern nähe Edinburgh, nähe Krankenhaus.


Lange Spaziergänge in zauberhaftem Mondlicht.


Katherine, die weitere gute Wirtin, stellte uns als "Maria und Joseph" ihren Freunden vor, beim feiern der Tag- und Nachtgleiche auf uralt-heilgem Boden (Pishwanton Wood).


Der volle, helle Mond und die klaren Sterne, vor allem Mars, leuchten in frostiger Nacht über unsern Häuptern.


Wir Fühlen, es gibt keinen besseren Ort für uns. Hier sind wir geborgen, unterstützt, willkommen.

Unser reiselustiges Kindchen darf hier, im Glanz der heilige Nächte zur Welt kommen.

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